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Die MTA-Ausbildung ist in Europa unterschiedlich geregelt. © STILLFX / iStock / Getty Images Plus

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Berufsbild MTA: Spannend, wichtig, systemrelevant – Teil 1

Der Beruf MTA bildet neben der Physiotherapie die zweitgrößte Gruppe aller nichtakademischen Gesundheitsberufe, abgesehen von der Pflege. Mit weiteren dienstleistenden Berufen wie Logopäden, Ergotherapeuten oder Hebammen ergeben sich hier rund eine Million Beschäftigte in Deutschland.

MTA teilen sich auf in Medizinisch-technische Laboratoriumsassistent*innen (MTLA), Medizinisch-technische Radiologieassistent*innen (MTRA) und Medizinisch-technische Funktionsassistent*innen (MTAF). Aufgrund der Corona-Pandemie ist dieser spannende und vielseitige Beruf, der lange ein Nischendasein führte, endlich und zurecht wieder in den Fokus der Wahrnehmung gerückt. Selbst Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erwähnte und dankte den MTA während der globalen Krise.

Durch ihre analytische Arbeit, direkt am Patienten oder mit dessen infektiösem Material, wird die hohe Systemrelevanz des Berufes deutlich. MTA sichern die Diagnostik rund um die Uhr und liefern einen umfassenden Beitrag für die Sicherheit der Bevölkerung: Durch Labortests und Röntgenbilder können Gesunde und an Covid-19-Erkrankte erkannt und differenziert werden.

Verschiedene Ausbildungswege

Die umfassende Ausbildung ist in fast allen Ländern Europas durch einen Studiengang möglich – nur Deutschland hält an seiner dreijährigen Ausbildung über eine staatlich anerkannte Berufsfachschule fest. Sogar Länder wie Spanien, Kroatien und Serbien haben in den letzten Jahren nachgebessert, die Schweiz mit einem Sonderweg: Vor rund vier Jahren wurde eine formale Pseudo-Akademisierung etabliert. Der Zugang erfolgt ausschließlich mit Abitur, die Ausbildungsstätte wird als eine Art Zwischenhochschule bezeichnet.

Die Qualifikationsprofile unterscheiden sich in den europäischen Ländern wenig. Allerdings sind MTA in Deutschland in allen vier Bereichen der Radiologie ausgebildet, in anderen Ländern hingegen spezialisiert die Ausbildung zwischen Diagnostik und Therapie. Als gemeinsamer Begriff wird oft die Kurzform „MTA“ oder „Biomedizinische Analytik“ (BMA) verwendet – in Anlehnung an die deutsche und österreichische Berufsbezeichnung. Die österreichische Bezeichnung BMA spiegelt die Kompetenzen des Ausbildungsberufs allerdings besser wider als die deutsche Bezeichnung „Assistenz“. In der Radiologie spricht man analog dazu von „Radiologie-Technologen“ (RT).

Die Ausbildungsvergütung in Deutschland unterscheidet sich je nach Schule und Bundesland. Daneben gibt es Privatschulen, die teilweise sogar Schulgeld fordern. Nach bestandenem Staatsexamen ist die Eingruppierung in Gehaltsklassen nicht eindeutig geregelt. Oft wird ein an den TVÖD angelehntes Gehalt gezahlt, mit Merkmalen, die geändert werden können. Die Eingruppierung erfolgt zurzeit in den Klassen 7, 8 und 9. Lehrkräfte und Laborleitungen erhalten eine höhere Vergütung.

Unterschiedliche Kompetenzen

Die unterschiedlichen Länder verlangen andere Fähigkeiten von den Assistenten, allen gemeinsam ist: Jede Tätigkeit erfordert einen ärztlichen Auftrag. Dazu gehört die eigenverantwortliche Durchführung von Untersuchungsvorgängen in der Klinischen Chemie, Hämatologie, Immunologie, Mikrobiologie, Parasitologie, Genetik, Histologie und Zytologie. Die Labormedizin umfasst dabei die Ergebniserstellung sowie die Qualitäts- und Plausibilitätskontrolle, also unter anderem die technische Aufarbeitung von Untersuchungsmaterial, die technische Beurteilung von Präparaten auf ihre Brauchbarkeit zur Diagnostik sowie Maßnahmen der Qualitätssicherung.

In Frankreich, den Niederlanden und Österreich obliegt die Abnahme von venösem Blut grundsätzlich den BMA. In Österreich sind diese außerdem befugt, nuklearmedizinische Labordiagnostik durchzuführen und Tätigkeiten auf dem Gebiet der pulmonalen, kardiovaskulären, angiologischen, elektrophysiologischen und gastroenterologischen Funktionsdiagnostik zu übernehmen. Diese Tätigkeiten sind in Deutschland den MTAF vorbehalten. Einige Länder haben weiterreichende Kompetenzen, beispielsweise Großbritannien: Je nach Abschluss ist für BMA die Befunderstellung und Therapieempfehlung möglich. In den Niederlanden erfolgt die Vorbefunderstellung durch BMA. Zudem erbringen sie eigenständige Tätigkeiten in der Zytodiagnostik.

Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3 unserer Reihe.

Mirjam Bauer

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