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Pipette und Reagenzgläser.

Mittlerweile arbeiten akademische Biobanken an 37 Orten in Deutschland in einem koordinierten Netzwerk zusammen. © luchschen / iStock / Getty Images Plus

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Biobanken Symposium 2022: Deutschland als Vorreiter für Europa?

Ein voller Erfolg war das zehnte nationale Biobanken-Symposium in Berlin, an dem am 1. und 2. Juni 2022 rund 300 Biobank-Expert*innen die neuesten Entwicklungen im europäischen Biobanking diskutierten. Unter dem Motto "Nachhaltige Verankerung von Biobanken als Forschungsinfrastruktur" gab es zahlreiche Vorträge, Podiumsdiskussionen, Posterpreise und eine Industrieausstellung.

Biobanken sind nicht nur bedeutende Infrastrukturen, sondern auch ein unverzichtbares Werkzeug für die Forschung. Sie sammeln, verarbeiten und lagern Bioproben wie Blut oder Gewebe und stellen diese zusammen mit relevanten Daten für Forschungsprojekte zur Verfügung.

Organisator der führenden deutschen Biobankveranstaltung sind der German Biobank Node (GBN) und die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF e.V.). Über 1,5 Millionen humane Bioproben hat die German Biobank Alliance (GBA) in den fünf Jahren seit ihrer Gründung bereits für Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt. Etwa 2600 wissenschaftliche Publikationen gingen daraus hervor.

Fundamentaler Bestandteil der Forschung

Mittlerweile arbeiten akademische Biobanken an 37 Orten und ein IT-Entwicklungszentrum in dem durch den GBN koordinierten Netzwerk zusammen: Das sind alle deutschen Universitätsmedizin-Standorte. Die deutsche Biobanken-Architektur sei ein internationaler Vorreiter, betonte Prof. Jens Habermann, Generaldirektor des pan-europäischen Netzwerks nationaler Biobanken (BBMRI-ERIC).

Es brauche allerdings noch eine bessere Vernetzung von Proben und Daten sowie harmonisierte Strukturen, so die einhellige Meinung der Vertreter vor Ort.

„Das Biobanking hat sich zu einem fundamentalen Bestandteil der Forschung in Deutschland entwickelt“, sagte Michael Kiehntopf, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik am Universitätsklinikum Jena. Dabei wandelt es sich zunehmend von einem reinen Dienstleister hin zu einer vielfältigen wissenschaftlichen Disziplin, die Strategie und nachhaltige Finanzierung brauche.

Die 2018 gestartete Medizininformatik-Initiative (MII) bietet hier die benötigte Basis für eine Forschungsdateninfrastruktur, an die Initiativen wie GenomDE (wir berichteten darüber im Dezember 2021 Genomsequenzierung für alle?) und GBA angebunden werden sollen, so TMF-Geschäftsführer Sebastian C. Semler. Die MII wird in einer künftigen Förderphase von 2023 bis 2026 mit weiteren 200 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

Damit Bioproben und Patientendaten aus der Routineversorgung für die Forschung nutzbar gemacht werden können, werden Biobanken und Datenintegrationszentren in Deutschland technisch und regulatorisch verbunden. Im Mai 2021 startete dazu das Projekt „Aligning Biobanking and DIC efficiently“ (ABIDE_MI) mit 24 Standorten der Universitätsmedizin.

„Forschende in Kliniken sollen lediglich ein Abfrage- und Analyseportal haben, das Patientenkohorten und Bioproben für bestimmte Forschungsprojekte identifiziert – auch für die Beantragung und Nutzung“, erläuterte Semler, der die MII-Koordinationsstelle leitet.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, Lehrstuhl für Medizinische Informatik, FAU Erlangen-Nürnberg, erläuterte den aktuellen Stand beim ABIDE-MI: „Mit dem Kerndatensatz GECCO für Covid19-Erkrankungen hatte das Projekt begonnen, nun soll es weiter ausgebaut worden. Zur Halbzeit waren sieben Standorte in Echtzeit angeschlossen, hoffentlich werden bis zum Ende 2022 noch einige mehr umgesetzt.“

Austausch von Proben auf internationaler Ebene

Doch damit alle diese Daten nicht nur national verfügbar sind, tauschen die Biobanken auf internationaler Ebene Bioproben zu Forschungszwecken – über das Netzwerk BBMRI-ERIC. Es beinhaltet eine der größten 23 europäischen Forschungsinfrastrukturen mit aktuell 18 Mitgliedsstaaten und rund 700 Biobanken, Tendenz steigend. Im Directory des BBMRI werden geschätzt über 100 Millionen Proben und Daten bereitgehalten. Es ist für jede Biobank weltweit geöffnet.

„Die Vernetzung mit dem IT-System unseres Netzwerks ist wichtig, denn wir können Biobanken für passende Forschungsprogramme gezielt ansprechen und vernetzen“, erläutert Generaldirektor Prof. Jens Habermann, der am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in früherer Tätigkeit bereits die Klinische Biobank Lübeck aufbaute. Der GBN leiste hervorragende Arbeit und sei ein Vorbild in Europa.

Aufgrund dieser positiven Entwicklung wird er ab 2024 als dauerhafte Infrastruktur unter dem Dach des Berlin Institute of Health an der Charité verstetigt, wie vom BIH-Vorstandsvorsitzende Christopher Baum auf der Veranstaltung bestätigt wurde. Auch auf die Unterstützung durch das BMBF können sich die Biobank-Verantwortlichen verlassen, verdeutlichte Julia Jasper, dort zuständige Referentin. Das Biobanking sei ein integraler Bestandteil ihrer Förderung seit 2011, auch aufgrund der Nachhaltigkeit – insgesamt gab es bereits vier Millionen Euro Zuwendung.

Auch das BBMRI sei eine der erfolgreichsten Strukturen. Künftig erhofft sie sich vermehrte „koordinierte Versorgung, Standardisierung, Harmonisierung und Weiterentwicklung bestehender Infrastrukturen, da nicht alles immer wieder neu erfunden“ werden müsse. Die nachhaltige Nutzbarmachung von Bioproben sei ein wichtiges Ziel.

Augmented-Reality-Brille

In der IT-Session wurden neben den üblichen Projekten auch ausgefallene News vorgestellt. So soll eine Augmented-Reality-Brille das tägliche Biobanking verbessern, erläuterte Dr. Markus Kersting von der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Lösung ist bereit und mobil einsetzbar in Labor und Lager, die Hände bleiben frei. Es ist kein separater Arbeitsplatz nötig. Die Anbindung eines Bluetooth-Scanners funktioniert einfach und gut, der Dauereinsatz ist noch problematisch.

Auch die Nutzung von dem aktuellen Centraxx ist möglich, aber umständlich. Dr. Daniel Brucker vom Universitären Zentrum für Tumorerkrankungen Frankfurt und Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank Frankfurt, hat ein Spiel entwickelt, das Biobanken spielerisch erklärt.

Mit den Posterpreisen ausgezeichnet wurden Carolin Kaufhold-Weber von der Uniklinik Heidelberg, und Julian Dörenberg von der Uniklinik Aachen für ihre herausragenden Arbeiten im Biobankbereich. Eine begleitende Fachausstellung bot den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Geräte, Software und Tools auszuprobieren beziehungsweise mit den Herstellern über Wünsche und Verbesserungen zu sprechen.

Von Mirjam Bauer

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