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Symbolbild Darm.

Aktuelle Studienergebnisse haben einen Zusammenhang zwischen dem Darm-Mikrobiom und einer Alzheimer-Erkrankung herausgefunden. © Elena Vafina / iStock / Getty Images Plus

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Darmflora: Mikrobiom im Fokus bei verschiedenen Erkrankungen

Die Darmflora des Menschen, das Darm-Mikrobiom, rückt bei vielen Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes immer mehr in den Fokus. Neue Studien weisen darauf hin, dass es ebenfalls bei der Alzheimer-Demenz Rückschlüsse zulässt. Forscher erhoffen sich dadurch Möglichkeiten auf Therapien.

95 Prozent der Mikroorganismen im menschlichen Körper befinden sich im Gastrointestinaltrakt. Sie umfassen rund zehn Millionen Gene. Damit besitzen sie hundertmal mehr Informationen als das menschliche Genom. Das Darm-Mikrobiom ist beteiligt an der Regulierung von Stoffwechsel-, Hormon- sowie Immunfunktionen.

Zudem ist ein Zusammenspiel zwischen Gehirn und Magen-Darm-Trakt bekannt. Es spielt ebenfalls eine Rolle für die Gesundheit des Menschen. Die Forscher entschlüsseln nach und nach die einzelnen Zusammenwirkungen und erhoffen sich dadurch Behandlungsansätze für verschiedene Erkrankungen.

Fehlende Schwankungen bei Diabetes

Im Jahr 2020 fanden Dr. Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der Technischen Universität München und sein Team heraus, dass es bei Diabetes mellitus Typ 2 Veränderungen im Darm-Mikrobiom gibt. Das Team zeigte auf, dass spezifische Darmbakterien rhythmischen Schwankungen unterliegen.

Sie zeigten weiterhin, dass bei Diabetes mellitus Typ 2 diese Schwankungen nicht auftreten. Die Forschungsgruppe konnte nachweisen, dass Bakterien, die keinen tageszeitlichen Schwankungen mehr unterlagen, Marker für potenzielle Erkrankungen sind und Rückschlüsse auf eine mögliche Typ-2-Diabetes zulassen.

Die Marker-Bakterien in diesem Fall gehören zu den Faecalibakterien, welche Ballaststoffe im Darm fermentieren. Um eine spätere Erkrankung vorhersagen zu können, spielen weitere Faktoren wie zum Beispiel der Body-Mass-Index eine Rolle.

Darm-Mikrobiom und Bluthochdruck

Die Forschungsgruppe von Dr. Nicola Wick am Max-Delbruck-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin untersucht seit 2019 den Einfluss von Darmbakterien auf Bluthochdruck. Das Darm-Mikrobiom beeinflusst das Immunsystem. Dieses wiederum führt durch seine Aktivierung zu chronisch-entzündlichen Reaktionen an Organen.

Solche Schäden können zum Beispiel auf Bluthochdruck zurückgeführt werden, der zum führenden Risikofaktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört. Daher untersucht die Forschungsgruppe in dem Projekt „HyperBiota“, ob es einen Zusammenhang zwischen den Darmmikroorganismen und Bluthochdruck gibt.

Durch die Erforschung der Kommunikation von Darmbakterien mit dem Immunsystem bei Bluthochdruck sollen neue Therapiemöglichkeiten identifiziert werden. Ziel ist es, personalisierte Therapien zu entwickeln und die Funktion der Darmbakterien zu verbessern, um Bluthochdruck sowie Organschäden zu verhindern.

Darm-Mikrobiom liefert Rückschlüsse auf Alzheimer

Aktuelle Studienergebnisse des Forschungsteams um Prof. Dr. Christoph Laske, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie um Prof. Dr. Matthias Willmann, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, beide am Universitätsklinikum Tübingen, haben einen Zusammenhang zwischen dem Darm-Mikrobiom und einer Alzheimer-Erkrankung herausgefunden.

In der AlzBiom-Studie konnte das Forschungsteam nachweisen, dass es wesentliche Unterschiede im Darm-Mikrobiom bei gesunden und bei erkrankten Probanden gab. Diese Unterschiede fanden sich in der Zusammensetzung der Bakterien, auf Speziesebene, wie auch bei den Stoffwechselprozessen, also auf funktioneller Ebene.

Sie zeigten, dass sich eine Alzheimer-Erkrankung durch die Analyse des Darm-Mikrobioms eindeutig diagnostizieren lässt. Dem Darm-Mikrobiom kommt somit bei der Diagnose eine wichtige Rolle zu. Im nächsten Schritt möchte die Gruppe erforschen, ob eine Beeinflussung des Mikrobioms ein neuer, innovativer Ansatz zur Behandlung von Alzheimer sein könnte.

Heike Lachnit


Originalpublikationen:

  • Christoph Laske, Stephan Müller, Oliver Preische et.al.; Signature of Alzheimer’s Disease in Intestinal Microbiome: Results From the AlzBiom Study; Frontiers in Neuroscience, 2022; DOI: 10.3389/fnins.2022.792996
  • Sandra Reitmeier et.al.; Arrythmic Gut Mivrobiome Signatures Predict Risk of Type 2 Diabetes; Cell Host & Microbiom, 2020; DOI: 10.1016/j.chom.2020.06.004

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