Search
Generic filters
Branche
on
Konfliktmanagement und Führungskompetenz für MTA

Die gelernte MTA Elke Schulz hat mit uns über die Themen Kommunikation und Konfliktmanagement gesprochen. © GetUpStudio / iStock / Getty Images Plus

| | | |

Interview: Konfliktmanagement und Führungskompetenz für MTA

„Ich glaube fest daran – Kommunikation ist der Schlüssel“. Elke Schulz unterstützt als Dozentin für „Psychologische Kommunikation und Führungskompetenz“ an der Technischen Akademie Esslingen MTAs dabei, so zu kommunizieren, dass sie emphatisch führen und ihre Ziele erreichen. Die gelernte MTA für Mikrobiologie war als Laborleitung und im Marketing der Diagnostikindustrie tätig, bevor sie sich zur Wirtschaftsmediatorin ausbilden ließ und sich ganz den Themen Kommunikation und Konfliktmanagement verschrieb. Vor einem Jahr gründete sie die „Kommunikationskochschule“ und stellt in einer eigenen Facebook-Gruppe die passenden Kommunikationsrezepte vor.

Haben Sie bereits während der Ausbildung und im späteren Berufsleben die Vermittlung von Kommunikationskompetenz vermisst?

Ich kann nicht sagen, wann ich das so hätte formulieren können, das war ein Prozess. An ein frühes Schlüsselerlebnis erinnere ich mich. Als ich mich für die MTA-Ausbildung beworben habe, erhielt ich die Absage einer MTA-Schule. Darüber habe ich mich geärgert und mit einem Brief protestiert, indem ich die Absage als Missverständnis dargestellt habe. Kurz gesagt – ich war frech. Da habe ich schon gemerkt, dass vieles von der Art der Kommunikation abhängt. Ich wurde letztendlich zur Aufnahmeprüfung eingeladen und habe bestanden.

Solche Schlüsselerlebnisse gibt es immer wieder, zum Beispiel immer dann, wenn man sich ärgert und keine Worte findet, sich machtlos fühlt. Bis ich meine Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin absolviert habe, waren sämtliche Weiterbildungen rein fachlicher Natur. Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der technischen Akademie Esslingen merke ich, wie gut ich MTAs helfen kann, sich weiter zu entwickeln und selbstbestimmter zu agieren. Es geht darum, aus dem Hamsterrad herauszukommen. Dort setze ich an und helfe, planvoll zu handeln, sich zu sortieren, sodass die eigene Arbeit zufrieden macht.

Kommunikation ist im Berufsleben in sämtlichen Branchen wichtig – was sind die besonderen kommunikativen Herausforderungen für MTAs?

Ich gebe seit 10 Jahren in unterschiedlichsten Bereichen und Branchen Schulungen und man kann sagen, wir haben alle die gleichen Probleme. Da ich selbst als MTA tätig war, weiß ich wie es läuft und verstehe die MTAs besonders gut. Im Grunde könnte ich mein Konzept für alle anbieten. Doch bei den MTAs kann ich besonders gut ansetzen und helfen, weil ich selbst dort herkomme.

Geht es bei den Schulungen um den Umgang im Kollegium oder auch um den Patientenkontakt zum Teil mit schwerstkranken Patienten wie z.B. in der Strahlentherapie?

© Simone Gunkel / Landesfilmdienst BWElke Schulz, Dozentin für Psychologische Kommunikation und Führungskompetenz © Simone Gunkel / Landesfilmdienst BW

Das Kernkonzept lautet „lerne besser zu kommunizieren und lerne so zu kommunizieren, dass dich andere verstehen“. Wenn ich das kann, wende ich es automatisch bei Kollegen, Patienten und Angehörigen gleichermaßen an. Das hat ganz viel mit der Haltung zu tun. Ich muss die Haltung einnehmen „Ich bin wichtig, aber die anderen auch“. Es geht darum, sich selbst zu akzeptieren, zu reflektieren wer ich bin und wer ich sein möchte.

Ich lebe dies selbst auch und bin Mentorin für einen jungen geflüchteten Syrer. Hier wende ich ebenfalls meine Techniken an. Denn wenn man mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun hat, merkt man, dass sie andere Werte haben und eine andere Kommunikationskultur. Die Haltungsänderung hat eine unheimliche Auswirkung auf das ganze Leben.

Warum sind Kommunikationskompetenz, Konfliktmanagement und Führungsskills wichtig? Was passiert, wenn diese Eigenschaften fehlen?

Dann geht es den Menschen schlecht und sie werden krank. Das kann man am Krankenstand ablesen. Den MTAs, die mit Problemen zu mir kommen, geht es nicht gut. Sie sind unglücklich und sie würden lieber anders und lösungsorientierter arbeiten. Es fehlt eine klare Sicht und Priorisierung. Sie haben das Gefühl zu rotieren und dennoch nicht gut genug zu sein.

Die Leute wollen einfach gute Arbeit abliefern und sich dabei gut fühlen. Dafür brauchen wir Kommunikation. Denn sobald ich selber definieren kann wie es mir geht und was ich möchte, kann ich das eher jemand anderem mitgeben und der hat wiederum die Chance, mich zu verstehen. Die übliche Strategie ist jedoch, dass wir nichts sagen und hoffen, dass es irgendwie funktioniert.

Seit fünf Jahren unterrichten Sie an der MTA-Schule in Esslingen das Fach „Psychologische Kommunikation und Führungskompetenz“. Haben Sie das Gefühl, dass hier ein hoher Lernbedarf besteht?

Ehrlich gesagt ist meine Vision, dass wir weltweit mehr machen müssten. Ich habe nie erlebt, dass wir genügend Kommunikationskompetenz auf den verschiedenen Ausbildungsstationen mitbekommen. In meiner MTA-Ausbildung gab es das nicht und für die Ärzte, die häufig Führungspositionen einnehmen, gibt es das nur marginal. Bereits im Kindergarten müssten Kommunikationskompetenzen vermittelt werden. Haltung und Empathie lernen wir nirgendwo. Es sind jedoch immer dieselben Fragen und Konflikte, die auftreten. Ich glaube, hier gibt es einen enormen Bedarf.

Wir alle sind durch die Kommunikationsmuster aus der Kindheit geprägt. Ist es möglich, alte Muster, die im Berufsleben nicht zielführend sind, dauerhaft zu durchbrechen? Unter welchen Voraussetzungen ist das möglich?

Die Voraussetzung ist einzig und allein, dass ich es will. Wenn ich es will, sperre ich die Ohren auf. Hier setzt zum Beispiel meine Facebook-Gruppe an. Ich muss bei mir selbst anfangen, mich fragen wo ich stehe und wo ich sein will. Haltung und Selbsterkenntnis sind ganz wichtig. Ich stamme aus dem Ruhrgebiet und da ist klare Kante angesagt. Mir wurde selbst in meinem früheren Berufsleben von Kollegen gesagt, ich hätte einen harten Ton und ich weiß ganz genau was damit gemeint ist.

Früher dachte ich, dass meine klaren Aussagen ankommen. Wenn sich aber der andere dadurch verletzt fühlt, funktioniert das nicht. Ich muss mich darauf einlassen, was für mein Gegenüber wichtig ist. Aber natürlich auch, was für mich wichtig ist, es geht um Ausgewogenheit. Losgelöst von unserer Prägung, können wir in jedem Alter dazu lernen, vorausgesetzt wir wollen das.

Sie bieten eine Facebook-Gruppe an, in der MTAs in einem geschützten Rahmen Kommunikationsthemen diskutieren können. Über fachliche Themen wird rege in den sozialen Medien diskutiert, gibt es beim Thema Kommunikation eine Hemmschwelle?

Ja, es gibt eine echte Hemmschwelle, da wir Kommunikationskompetenz nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben und wir keine Kultur dafür haben. Es ist nicht unbedingt hip sich in der Schule immer zu melden, zu fragen und aufzufallen. Wir versuchen eher mit der Masse mit zu schwimmen. Die eigenen Gedanken zu äußern, erfordert Mut, vor allem wenn mir die Worte fehlen, das ist eine Übungssache.

Bevor ich meine Facebook-Gruppe gegründet habe, habe ich mich in anderen Gruppen umgeschaut und festgestellt, dass nur fachliche Themen behandelt werden. Daraufhin habe ich einige Umfragen gestartet und festgestellt, dass das Interesse groß ist. Es erfordert allerdings Mut und auch Zeit, sich damit zu befassen. Meine Gruppe besteht nun seit Januar und hat bereits 160 Nutzer, das Interesse ist definitiv da. Jeden Mittwoch referiere ich zu einem Thema, wie z.B. „Konflikte“ im Livestream, dabei gibt es die Möglichkeit zum Austausch.

In Pandemie-Zeiten hat sich die Kommunikation teils stark verändert. Was sind die größten kommunikativen Herausforderungen für MTAs in diesen Zeiten und wie kommt man kommunikativ gut durch die Krise?

Der Druck wird unter Corona stärker, wir sind planlos aufgrund der neuen Situation, Kollegen fallen aus. Das macht die Kommunikation schwieriger. Dann ist der Druck teilweise so groß, dass er weitergegeben wird. Es steht noch weniger Zeit für Kommunikation zur Verfügung. Manchmal ist es aber auch so, dass unter Druck sogar weniger Kommunikation nötig ist, dass einfach gearbeitet wird.

Konflikte sind immer ein Thema, wir haben nicht gelernt diese zu lösen, wenn sie noch klein sind, um daran zu wachsen. Ich kann nicht sagen, ob es durch die Pandemie mehr Konflikte gibt, es ist einfach weniger Zeit für Kommunikation vorhanden und Durchhalten angesagt. Das geht an die körperliche Substanz. Wenn ich Elternteil bin, kommt noch hinzu, dass die Arbeit gar nicht mehr das hauptsächliche Thema ist, sondern das Homeschooling. Da tun sich viele neue Felder auf.

Ich glaube wir können Kommunikation so lernen, wie wir laufen lernen können. Und es kann unser Leben verändern. Verschiedene Methoden können uns helfen, zum Beispiel unangenehme Nachrichten, besser rüber zu bringen. Ich fühle mich besser, weil ich die Wahrheit gesagt habe aber Gleichzeitig meinem Gegenüber die Chance gebe, die Nachricht zu verdauen. Man ärgert sich dadurch weniger und das ist super! Es muss nicht von heute auf morgen funktionieren. Wenn ich aber von einhundert Prozent schon mal zwanzig Prozent erreiche, dann ist das ein Sprung. Zu sagen was man sagen will, das tut einfach gut.

Das Interview für MTA – Das Portal führte Anne Bilke.


Gratis-Live-Webinar „Führungskompetenz für MTAs“ am Sonntag, 18.04. von 14:00-15:30 Uhr

Newsletter abonnieren

Newsletter Icon MTA Blau 250x250px

Erhalten Sie die wichtigsten MTA-News und Top-Jobs bequem und kostenlos per E-Mail.

Mehr zum Thema

5. Deutschland-Barometer veröffentlicht
Zugang zu mikrobiellen Daten sichern

Das könnte Sie auch interessieren

Pipette und Reagenzgläser.
Medikamente für die Reise.
Labormüll.