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Gefahr für Mutter und Kind

Grundsätzlich ist die Sorge um das ungeborene Kind groß, wenn werdende Mütter an einer Infektion erkranken. © Ziga Plahutar / E+ / Getty Images Plus

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Schwangerschaftsrelevante Viren: Gefahr für Mutter und Kind

Während einer Schwangerschaft kann eine Infektion mit verschiedenen Viren, wie zum Beispiel Paramyxoviren dazu führen, dass die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigt wird. In vielen Fällen kann eine Impfung Mutter und Kind schützen.

Für Schwangere sind zahlreiche Infektionen relevant, wie etwa solche mit dem Zika-Virus. Die Erreger übertragen sich auf das ungeborene Kind und führen zu Fehlbildungen des Gehirns. Außerdem kann eine Infektion mit neurologischen Auffälligkeiten, einer Wachstumsverzögerung des Fötus in der Gebärmutter (intrauterine Wachstumsretardierung), mit einer Plazentainsuffizienz oder sogar mit dem Tod des Fötus einhergehen.

Zika-Viren werden durch Stiche infizierter Aedes-Mücken übertragen, Hauptüberträger ist die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die in den Tropen und teilweise in den Subtropen vorkommt. Schwangere sollten sich möglichst nicht in Risikogebieten aufhalten. Insektenschutzmittel, lange Kleidung oder Moskitonetze schützen vor Stichen und somit vor einer Infektion.

Röteln

Röteln-Viren sind für Schwangere ebenfalls gefährlich, während der ersten zwölf Schwangerschaftswochen ist das Risiko für Komplikationen am größten. Die Erreger werden durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Beim Fötus kann es zu schweren Schädigungen am Auge, Innenohr oder Herzen, seltener am Gehirn, an der Leber oder Milz kommen.

Zu Beginn der Schwangerschaft überprüft der Gynäkologe den Röteln-Titer und testet, ob die Frau ausreichend geschützt ist. Ist eine Schwangere mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen, ist es innerhalb von fünf Tagen noch möglich, eine passive Immunisierung durchzuführen.

Masern

Zu den schwangerschaftsrelevanten Viren zählen auch Paramyxoviren, die Masern hervorrufen. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion übertragen. Nach einer Inkubationszeit von acht bis zehn Tagen erscheinen im Prodromalstadium Symptome wie Schnupfen, Husten, Halsschmerzen oder weiße Beläge auf der Mundschleimhaut.

Es folgt das Exanthem-Stadium mit seinem charakteristischen Hautausschlag, der hinter den Ohren beginnt und sich über den gesamten Körper ausbreitet. Für ungeborene Babys, deren Mütter nicht gegen Masern geimpft sind, sind die Viren gefährlich, da sie die Plazenta passieren und das Kind infizieren. Zudem treten bei jeder vierten erkrankten Schwangeren vorzeitige Wehen mit Früh- oder Fehlgeburten auf.

Mumps

Mumps wird durch das Paramyxovirus parotitis hervorgerufen und ebenfalls durch Tröpfcheninfektion weitergegeben. Die Infektion geht mit Erkältungssymptomen sowie mit Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, den sogenannten Hamsterbacken, einher. Von zehn Infizierten zeigen vier keine oder nur sehr leichte Krankheitsanzeichen.

Anders sieht es bei werdenden Müttern aus: Im ersten Trimester soll die Infektion Fehlgeburten auslösen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Masern-Mumps-Röteln-Impfung allen Frauen im gebärfähigen Alter, sie stellt die beste Prophylaxe dar.

Windpocken

Windpocken sind für Schwangere und das ungeborene Kind bedrohlich. Die Erkrankung wird durch Varizella-zoster-Viren ausgelöst, ist hochansteckend und zeigt sich durch Fieber und einen juckenden Hautausschlag. Sind die Windpocken überstanden, schlummern die Erreger weiterhin im Organismus und können Jahre später zu einer Gürtelrose führen.

Erfolgt eine Windpocken-Erkrankung innerhalb der ersten fünf Monate einer Schwangerschaft, verursacht sie mitunter Fehlbildungen des Kindes. Der einzige zuverlässige Schutz gegen eine Infektion ist eine vollständige Impfung.

Positiv schwanger

HIV-positive Frauen können schwanger werden, ohne dass sie das Virus auf das ihr Kind übertragen. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie antiretroviral behandelt werden und die HIV-Medikamente regelmäßig einnehmen. Hingegen stellt Hepatitis B in der Schwangerschaft eine Gefahr dar, weil sich die Viren auf das Neugeborene übertragen und es ebenfalls zum Virenträger wird.

Herpes

Eine Erstinfektion mit Herpes simplex überträgt sich unter Umständen auf den Fötus, ist lebensbedrohlich und ruft möglicherweise Missbildungen, Früh- oder Fehlgeburten hervor. Leidet die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt unter Herpes genitalis, kann es beim Säugling zu dem gefürchteten Herpes neonatorum kommen. Die Infektion betrifft sowohl die Haut als auch die inneren Organe sowie das Zentralnervensystem (ZNS) und geht mit einer hohen Letalität einher.

Parvoviren

Bei Ringelröteln handelt es sich normalerweise um eine relativ harmlose Viruserkrankung mit Hautausschlag, die durch Parvoviren B19 verursacht wird. Für Schwangere stellt die Infektion allerdings ein Risiko dar, da Ungeborene in Folge an einer fetalen Anämie, also an einer reduzierten Bildung von roten Blutkörperchen erkranken können, die mitunter tödlich endet.

Wird die Infektion frühzeitig entdeckt, ist eine Behandlung mit Hilfe einer intrauterinen Transfusion von roten Blutkörperchen möglich.

Cytomegalie-Viren

Eine Infektion mit Cytomegalie-Viren verläuft normalerweise asymptomatisch und nach einer Infektion gilt man als immun. Problematisch ist die Ansteckung während der Schwangerschaft, da es keine Behandlung gibt. Frauen lassen vor der Schwangerschaft am besten den Antikörper-Status bestimmen, um herauszufinden, ob sie bereits infiziert waren und nun immun sind.

Stecken sich Schwangere zum ersten Mal an, kommt das Baby mit schweren Organschäden auf die Welt. Liegen vor der Schwangerschaft noch keine Antikörper vor, sollten sich werdende Mütter umfassend über die Hygieneregeln zur Vermeidung einer Ansteckung informieren.

Besonders gefährdet sind seronegative Schwangere, die bereits ein Kind bekommen haben, das in einer Betreuungseinrichtung im Kontakt zu anderen Kindern steht, denn die Sprösslinge gelten als häufige Überträger. Mütter sollten dann möglichst auf Schleimhautkontakt zum Nachwuchs verzichten und sich häufig die Hände waschen.

Allgemeine Verhaltensregeln

Grundsätzlich ist die Sorge um das ungeborene Kind groß, wenn werdende Mütter an einer Infektion erkranken, schließlich führen einige Krankheiten zu Schädigungen des Kindes sowie zu Früh- oder Fehlgeburten. Schwangere halten am besten stets Abstand zu Infizierten, die unter Fieber oder weiteren Symptomen einer Infektion leiden, insbesondere wenn die Auslöser der Erkrankung nicht bekannt sind.

Bakterielle Infektionen sind für Mutter und Kind meist harmloser, da sie mit Antibiotika behandelt werden können, sodass das Heranwachsende vor einer Infektion geschützt ist. Infizieren sich Schwangere mit Viren, die tödliche Folgen haben können, führen Ärzte häufig frühzeitig einen Kaiserschnitt durch.

Martina Görz


Quellen:

  • Kinderwunsch: Mit HIV Kinder bekommen; aidshilfe.de
  • Ringelröteln (Erythema infectiosum); deximed.de
  • Mumps; babycenter.com
  • Herpes-simplex-Virusinfektion bei Neugeborenen – Pädiatrie – MSD Manual Profi-Ausgabe; msdmanuals.com
  • Röteln-Impfung bei Erwachsenen; impfen-info.de
  • Infektionserkrankungen » Infektionen und schwangerschaftsspezifische Erkrankungen » Schwangerschaft & Geburt; frauenaerzte-im-netz.de
  • Empfohlene Impfungen für Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft; infovac.ch
  • Masern – besonders gefährlich in der Schwangerschaft und bei Säuglingen; frauenaerzte-im-netz.de
  • Infektionen in der Schwangerschaft: Besondere Vorsicht geboten; pharmazeutische-zeitung.de
  • Windpocken können für Schwangere, Säuglinge und Immungeschwächte gefährlich werden; kinderaerzte-im-netz.de
  • Kinderkrankheiten: Harmloser Infekt oder Wolf im Schafspelz; pharmazeutische-zeitung.de
  • Röteln; infektionsschutz.de
  • Marculescu, R., Richter, L. & Rappersberger, K. Infektionen mit Herpes-simplex- und Varicella-zoster-Viren in der Schwangerschaft. Hautarzt 57, 207–216 (2006). https://doi.org/10.1007/s00105-006-1105-z
  • RKI – Zikavirus-Infektionen – Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ): Zikavirus-Infektionen; rki.de
  • Röteln in der Schwangerschaft; schwangerundkind.de
  • Grob P.J., Hugentobler K.K., Joller-Jemelka H.I., Huch A. (1994) Hepatitis B und C in der Schwangerschaft. In: Verhandlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Archives of Gynecology and Obstetrics (Continuation of Archiv für Gynäkologie, founded in 1870). Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-37814-4_1
  • Zika Virus – Antworten auf häufige Fragen; tropeninstitut.de

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