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Bis(s) zur Blutvergiftung

Bisswunden durch Tiere reichen von kleinen Hautverletzungen oder Quetschungen bis hin zu heftigen Wunden. © dimid / 86 / iStock / GettyImagesPlus

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Tierbisse: Bis(s) zur Blutvergiftung

Im Umgang mit Tieren sollte man sich stets darüber im Klaren sein, dass es sich um Lebewesen handelt, die auch schon einmal zeigen, wenn ihnen etwas nicht passt – etwa in Form von Bissen, die nicht nur schmerzhaft, sondern zum Teil auch gefährlich sind.

Wer gerne beim Spaziergang eine zutrauliche Katze oder einen fremden Hund streichelt, muss böse Folgen einkalkulieren: Immerhin 50 000 Fälle von Tierbissen werden pro Jahr in Deutschland von den Krankenkassen registriert, die Dunkelziffer liegt vermutlich höher, da Betroffene oft nicht zum Arzt gehen.

Bisswunden durch Tiere reichen von kleinen Hautverletzungen oder Quetschungen bis hin zu heftigen Wunden mit einem hohen Blutverlust, wobei man zwischen der mechanischen Schädigung und der Infektionsgefahr differenziert.

Die betroffene Stelle kommt mit dem keimbesiedelten Tierspeichel in Kontakt, was starke Entzündungsreaktionen hervorrufen kann. Problematisch sind vor allem ungewöhnliche Erreger im Speichel der Tiere, mit denen die Wunde infiziert wird.

Gefährlicher Cocktail

Etwa 60 bis 80 Prozent der Tierbisse gehen auf das Konto der Hunde, die Angriffe durch Katzen machen 20 bis 30 Prozent aus. Verletzungen durch andere Tiere wie Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Mäuse oder Ratten sind hingegen deutlich seltener. Während Hunde das Gewebe eher zerreißen oder quetschen, bringen Katzen ihre schmalen und scharfen Zähne tief in das Gewebe ein.

Äußerlich erscheint der punktionsartige Biss unscheinbar, denn die kleinen Wunden bluten nur wenig und die obere Hautschicht heilt nach der Verletzung rasch wieder aus. Jedoch brodelt es unter der Oberfläche: Nach Angaben des Journals „Veterinär Spiegel“ haben 80 Prozent aller Katzenbisse eine Infektion zur Folge, häufig mit den Keimen Pasteurella multocida oder Pasteurella canis, aber auch mit Enterokokken, E. coli oder Streptokokken.

Hunde haben dagegen stumpfere Zähne, die in der Regel nicht allzu tief eindringen, allerdings ist es keinesfalls harmlos, wenn die Fellnasen zuschnappen, denn in vielen Fällen erwischen sie Hände oder Handgelenke. Die Erreger wandern daraufhin in den Unterarm, entweder entlang der Bindegewebsplatten über die Sehnenscheiden, den Karpaltunnel und über die Muskeln oder entlang des Raums, der sich unter der Sehnenplatte in der Hohlhand befindet.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Gewebe in den Händen schlecht durchblutet ist und das Immunsystem daher nicht unverzüglich verteidigt, sodass sich die Keime rasch vermehren. Das entzündete Gewebe schwillt an, beeinträchtigt die Strukturen in der Hand und verursacht unter Umständen Funktionsverluste.

Medizinische Hilfe

Bei Bisswunden handelt es sich nie um Bagatellverletzungen, auch wenn sie noch so klein sind. Nach Katzenbissen ist eine medizinische Behandlung unbedingt erforderlich, damit sich weder eine Infektion noch eine Blutvergiftung entwickelt. Auch Verletzungen durch Hunde oder andere Tiere sollte man besser einem Arzt vorstellen.

In der Regel wird die Wunde mit einer antiseptischen Lösung gereinigt, um die Erreger abzutöten. Nähen ist tabu, stattdessen werden die Wundränder ausgeschnitten und das verletzte Gewebe beseitigt. Der Arzt überprüft zudem, ob ein Tetanus-Impfschutz vorliegt und verordnet meist prophylaktisch ein Antibiotikum.

 

Martina Görz


Quellen:

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